Kriminalität in Berlin Wedding Was muss noch passieren?

Die Nachrichten rund um und vor allem im Berliner Szenebezirk „Wedding“ gehen nur schwer an einem vorbei. Schlagzeilen über Diebstähle, Gewaltverbrechen, Drogendelikte und anderen Straftaten sind längst nichts Neues für den Wedding und erregen nur noch selten Aufmerksamkeit. Die stetig vorherrschende Kriminalität ist zum Alltag geworden. Diebstähle, Raubdelikte, Schlägereien und ähnliche Delikte gehören längst zur Tagesordnung und schockieren die dort ansässigen Händler und Anwohner eher selten. Prostituierte laufen halbnackt über die Straen und Agenturen verteilen Flyer, um ihren Escort Service zu bewerben.

An dem alle paar Monate stattfindenden Händlertreffen am Leopoldplatz ist die ansteigende Kriminalität ebenso allgegenwärtig wie der Anstieg der Straftaten im Bezirk. Paketdienste weigern sich inzwischen aufgrund der vorherrschenden Gefahr von Gewaltverbrechen und Diebstählen in dem Bezirk zuzustellen, da die nötigen Sicherheitsmaßnahmen nicht ergriffen werden können. Doch nicht nur die vorherrschende Kriminalität macht Anwohnern, Ladenbesitzern und der Polizei sorgen, sondern ebenso die zahlenmäßig überlegene Trinkerszene.

Nach der Schließung der Trinkerkneipe „Knorke“ hat sich die Szene immer mehr in die Öffentlichkeit verlagert, sehr zum Unmut der dort Ansässigen. Die Polizei ist heillos überfordert und widmet sich stattdessen weniger gefährlichen und weitaus leichteren Aufgaben, wie dem Vertreiben von Obdachlosen aus den dortigen Parks. Um der Trinkerszene entgegenzuwirken, sollte ein Trinkverbot in der Öffentlichkeit durchgesetzt werden. Jedoch erfolglos, da sich die staatlichen Behörden einer klaren Übermacht stellen müssen und die nötigen Mittel für die Durchsetzung fehlen. Die Kriminalität ist in den letzten Jahren so stark angestiegen, dass die Debatte um Videoüberwachung und damit den Datenschutz neu entfacht wird.

Das grundsätzliche Prinzip der Video-Überwachung jede Person als potenziellen Täter zu filmen und die Geschehnisse aufzunehmen stieß auf starke Gegenwehr von bürgerlicher Seite. Aufgrund der hohen Kriminalität jedoch schwenkte diese Meinung um und besonders im Wedding wurde eine Videoüberwachung explizit durch die dort ansässigen Bürger gefordert. Insbesondere der Leopoldplatz ist dabei der Brennpunkt Weddings. Ob als Treff für die ansässigen Trinker, Nachtlager für Obdachlose, Drogenumschlagsplatz oder gar Rückzugsort für Straftäter ist dabei alles möglich. Durch die hohe Grundkriminalität des Platzes sind der Polizei da die Hände gebunden. Es herrscht eine Art krimineller Zusammenhalt.

Bei Befragungen hat niemand etwas gesehen oder gehört, bei Platzverweisen ist die selbe Person gewöhnlicherweise nach ein paar Minuten zurück am selben Ort, bei Zeugenvernehmungen haben diese meist Angst vor den Konsequenzen und bei Festnahmen ist sogar mit starker Gegenwehr aus allen Richtungen zu rechnen. Insbesondere die Jugendkriminalität hat dort ihren Ursprung. Immer mehr Minderjährige und Nicht-Strafmündige werden durch den Strudel der Kriminalität auf eine schiefe Bahn gelenkt, die nicht aufzuhalten ist.

Durch die große Masse an Straftaten und vor allem unaufgedeckten Delikten bekommen die Kriminellen immer mehr Sicherheit, sich in ihrem Milieu wohler und sicherer zu fühlen. Erst vor ein paar Jahren gab es den massivsten Anstieg an Straftaten. Um ganze 40% hat sich die Zahl erhöht. Ein alarmierendes Zeichen vor allem für staatliche Institutionen und Polizei. Für die Anwohner jedoch nichts Neues. Jedoch gibt aus auch hier einen Unterschied zwischen Kriminalstatistiken und dem Leben vor Ort. Zwar ist der Anstieg stetig vorhanden, mal mehr mal weniger, jedoch ist die Dunkelziffer der nicht in den Statistiken vorkommenden Straftaten wesentlich höher. Allein die darin aufgenommenen Straftaten betragen an der Zahl 1 Drogendelikt, 5 Körperverletzungen pro Woche und 9 Ladendiebstähle in 7 Tagen.

Selbstjustiz und Bandenkriminalität nicht eingeschlossen. Die Moral ist im Wedding eine gänzlich andere. Dispute werden nicht auf dem Rücken des Staates ausgetragen, sondern direkt vor Ort und ohne polizeiliche Hilfe. Bei Nachfragen von staatlicher Seite hat niemand etwas gesehen. Bei größeren Auseinandersetzungen, welche über die regulären Körperverletzungen hinaus gehen und sich bis in die Reihen der Familienclans ziehen enden selten im Interesse des Staates. Wahlweise wird mit schmutzigem Geld oder einer anderen Leistung ein Ausgleich geschaffen. Eine Art urbaner Kodex, an den es sich zu halten gilt. Probleme werden ohne weitere Parteien geklärt, im schlimmsten Fall kann dies mit dem Ende eines Menschenlebens besiegelt werden. Das Gesetz der Straße, welches dem Gesetz des Staates übergeordnet scheint, hat vor Ort eine größere Bedeutung aufgrund der härteren und weniger humanen Sanktionen.